
Sexocorporel
Die wesentliche Grundlage meiner Interventionen ist der Approche Sexocorporelle.
Was heißt „Sexocorporel“?
Der Ansatz (Approche) des Sexocorporel wurde in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Jean-Yves Desjardins in Kanada (Montreal, Quebec) entwickelt. An der dortigen Universität entstand die erste sexologische Fakultät (1968), von der aus bis heute zahlreiche sexualwissenschaftliche Forschungen inspiriert wurden.
Der Sexocorporel ist ein Modell sexueller Gesundheit. Der Begriff „Sexocorporel“, der aus dem Französischen kommt, lässt sich nicht übersetzen und drückt aus, dass Körper und Hirn eine Einheit sind, deren getrennte Betrachtung nur begrenzt Sinn macht. Denken beeinflusst den Körper, Körperspannung, Haltung, Bewegung und Atmung beeinflussen Denken und Gefühle usw.
In unserer Gesellschaft und in klassischen Psychotherapien herrscht oft eine duale-vertikale Sichtweise vor, nach der Psyche, wahlweise der Geist eines Menschen „oben“, also eher im Gehirn, die Sexualität dagegen „unten“ im Körper wohnen. Und traditionell werden sexuelle Probleme oder Auffälligkeiten als Ausdruck seelischer Konflikte beurteilt – was für viele Menschen stigmatisierend und verunsichernd ist. Zumal sich viele psychotherapeutische Behandlungsansätze heute eingestehen müssen, dass selbst langanhaltende Interventionen nur sehr begrenzt Veränderungen der sexuellen Probleme, insbesondere bei sogenannten „Perversionen“ erbrachten.
Störungen/Perversionen?
Die vielfältigen Arten und Weisen, wie Menschen individuell im Laufe ihres Lebens gelernt haben, sich sexuell zu erregen und wie sich das auf ihr Befinden, ihr Erleben, ihre Gefühle und Gedanken sowie ihre Beziehungen auswirkt, bezeichnet der Sexocorporel als jeweils „ein logisches System“ vieler Komponenten. Die meisten dieser Komponenten sind veränderbar – durch Lernen! Beispielsweise durch eine Behandlung, aber auch dann durch individuelles Einüben.
Und an dieser Stelle soll auch deutlich gesagt sein, dass die Bezeichnungen „sexuelle Störungen“ oder sogar „Perversionen“ für den Modus, wie ein Mensch sich erregt oft völlig fehl am Platze sind. In fast allen Fällen werden psychisch völlig gesunde Menschen, die aufgrund fehlender sexueller Lernschritte auf den ersten Blick ungewöhnliches Sexualverhalten zeigen, zu Unrecht abgeurteilt. Nur in wenigen Fällen sind sexuelle Probleme Ausdruck einer schweren Persönlichkeitsstörung. Im Gegenteil, oft verursachen sexuelle Probleme weitere Beschwerden, beispielsweise verursachen etwa Erektionsprobleme nicht selten Depressionen oder Verbitterung.
Erregungsmodus
Wir wissen mittlerweile, dass die explizite sexuelle Realität eines Menschen, das heißt, wie er sich erregt, wie er sexuelle Erregung steigert (der sogenannte Erregungsmodus) der wesentliche Einfluss auf das sexuelle Erleben ist. Der Erregungsmodus bestimmt, wie sexuelle Fantasien und Vorstellungen oder Vorlieben entstehen; er ist somit ein direkt-kausaler Zusammenhang zu sexuellen Problemen. Die sexuellen Probleme strahlen dann in viele Ebenen aus: Partner-/Beziehungsebene, Depressivität, Körperbildstörungen, usw.
Menschen lernen – Tabus und Mythen
Der Sexocorporel zeigt, dass jeder Mensch lebenslang sexuelle und körperliche Fähigkeiten erlernt, die es ihm ermöglichen, Gefühle zu regulieren, und auf dieser Basis erfüllende, befriedigende sexuelle Beziehungen und Liebesbeziehungen zu führen. „Menschen lernen ein Leben lang“, diese Aussage ist trivial und trifft auch in der Sexualität zu. Wir entwickeln uns ständig weiter, allerdings existieren im Bereich der Sexualität unzählige Mythen, Tabus, Ideale und Halbwissen, so dass es nicht selbstverständlich ist, dass ein Mensch erlernt, etwa Erregung zu steuern oder Erregung zu steigern und lustvoll – das heißt in Verbindung mit positiven Gefühlen – zu erleben. Schule und andere Ausbildungsstätten befassen sich oft nur mit Anatomie bzw. Risiken (Geschlechtskrankheiten) und Nebenwirkungen (Schwangerschaft bzw. Verhütung) der Sexualität, Eltern vermitteln Kindern nur sehr begrenzt Wissen, wenn sie es denn selbst haben sollten. Junge Menschen werden in ihrem sexuellen Lernen nicht gefördert, Fachpersonen meiden das Thema bzw. sind in diesem Teilgebiet selbst schlecht ausgebildet. Mythen, kritische Ideale und Halbwissen erschweren sexuelles Lernen, machen Druck und führen letztlich zu Problemen und Krisen, die sich in Funktionsstörungen oder Beziehungskrisen entwickeln.
Fast alle Menschen nennen eine für sie passende und zufrieden stellende Sexualität einen wichtigen Lebensinhalt.
Ich berücksichtige in meiner Arbeit, dass Menschen oft nur begrenztes Wissen über Sexualität erwerben konnten, dass sie verunsichert sind und insbesondere vor dem Hintergrund der Gesellschaft mit deren Klischees und mit partnerschaftlichen Erwartungen überfordert werden, keine emotionale Befriedigung mehr erleben oder in Partnerschaftskrisen geraten.
Oder dass sexuelle Funktionsstörungen die Folge sind:
Vorzeitiger Samenerguss; Erektionsprobleme; Schmerzen beim Geschlechtsverkehr; zunehmende Erkrankungen der Geschlechtsteile (Pilze, Infektionen usw.); Unlust; Schwierigkeiten, sexuelle Erregung zu steuern, einen Orgasmus zu haben oder zu ejakulieren; Ängste vor Sexualität; Partnerschaftsprobleme; Fetischismus; Probleme mit der Geschlechtsidentität und daraus resultierend viele Folgeprobleme wie Depressionen, Schmerzen usw.
Menschen, die sexuelle Probleme haben, die sie oft selbst nicht verstehen, und therapeutische Hilfe suchen, sind vom fachärztlichen Standpunkt aus psychisch und physisch gesund, nach dem Sexocorporel-Ansatz helfen wir ihnen, die Probleme zu verstehen und Lösungen zu finden.
Behandlungsmöglichkeiten
Ich zeige meinen Klienten auf, welche Fähigkeiten sie bereits erworben haben, wir machen uns gemeinsam ein Bild, welche Lernschritte noch erfolgen könnten. Ich informiere über Erkenntnisse der Sexualforschung/-Medizin, und welche Ziele erreichbar sind. Bei Bedarf kann Partnerin oder Partner mit einbezogen werden. Zentral ist jedoch, dass Sexualität individuell gelernt wird, dass also jeder Mensch einzeln lernen kann, Erregung zu steigern, zu steuern, genussvoll, also emotional positiv zu erleben; und diese Fähigkeiten natürlich in Partnerschaften und Beziehungen einbringen kann. Das stellt nach meiner Erfahrung einen großen Beitrag zur Aufrechterhaltung und Erfüllung von Paarbeziehungen dar. Ist aber auch elementar für psychische und körperliche Gesundheit sowie das Wohlbefinden, Selbstwert und Selbstbewusstsein.
Außerdem ist eine emotional befriedigende Sexualität eine große Ressource, wenn Stress oder kritische Lebensereignisse auftreten.
Das Sexocorporel-Konzept in differenzierter Form
Das Sexocorporel-Konzept wurde von Jean Yves Desjardins (1931-2011) an der Universität Montreal entwickelt. Das für die Praxis entwickelte Modell erlaubt eine Betrachtung aller sexologisch relevanten Komponenten und fokussiert die körperlich-genitale Ebene im direkten kausalen Zusammenhang eines sexuellen Problems.
Hier ein kurze Einführung des Konzepts: